30.09.2025

Ausstellungen Museum

Bernd-und-Hilla-Becher-Preis 2025

Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf verleiht den Bernd-und-Hilla-Becher-Preis 2025 an zwei herausragende Positionen der künstlerischen Fotografie. Den Hauptpreis erhält Ursula Schulz-Dornburg, der Förderpreis geht an Farah Al Qasimi. Die Preisverleihung findet am 4. Juni 2025 in der Kunsthalle Düsseldorf statt. Eine begleitende Ausstellung wird vom 7. Juni bis 7. September 2025 dort zu sehen sein.


Hauptpreis für Ursula Schulz-Dornburg

Die 1938 geborene Künstlerin zählt zu jenen Fotografinnen, deren Werk erst in jüngerer Zeit umfassend im deutschsprachigen Raum gewürdigt wird. Schulz-Dornburg lebt und arbeitet seit 1969 in Düsseldorf. Ihr Werk vereint kulturhistorische und anthropologische Fragestellungen. Die Jury hob besonders ihre konzeptuelle Auseinandersetzung mit der „Vertikalität der Zeit“ hervor: Sie verleiht Vergangenem – sei es landschaftlich, architektonisch oder kulturell – eine gegenwärtige Form und schafft so ein Bewusstsein für Ressourcen und Geschichte.
Die Jury würdigte bei Ursula Schulz-Dornburg insbesondere ihr kulturhistorisches Interesse und ihre visuelle Sprache, die dokumentarische, politische und poetische Elemente miteinander verbindet.
Ihre konzeptionelle Herangehensweise erinnert in ihrer typologischen Strenge und Reduktion an das Werk von Bernd und Hilla Becher. Ihr dokumentarischer, poetischer und politisch geprägter Stil entwickelt sich aus einer eigenständigen Bildsprache, die in der Reduktion, Typologisierung und der Isolierung von Motiven ebenfalls Parallelen zu den Bechers erkennen lässt.
Schulz-Dornburg dokumentierte Landschaftswandel und den Verfall politischer Systeme in Ländern wie Armenien, Jemen, Irak oder China. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem im British Museum, der Tate Modern, im Städel Museum und im Maison Européenne de la Photographie.


Förderpreis für Farah Al Qasimi

Die 1991 in Abu Dhabi geborene Künstlerin lebt in New York und Dubai. Sie arbeitet mit Fotografie, Video und Performance und untersucht in ihren Arbeiten postkoloniale Machtverhältnisse, Konsumkultur und Geschlechterfragen im globalisierten Raum.
Al Qasimi studierte in Yale und entwickelt eine visuell dichte Bildsprache, die soziale Beobachtung mit einer kritischen Perspektive auf Alltagsästhetik verbindet. Die Jury lobte ihre Fähigkeit, neue visuelle Räume zu schaffen, in denen sich Identität, Gender und Globalisierung verschränken. Ihr Werk hinterfragt, was in der Gegenwart überhaupt als „würdig“ gilt, fotografisch festgehalten zu werden – und transformiert das Banale in eine durch und durch zeitgenössische Ästhetik.
Farah Al Qasimi überzeugte die Jury mit einer lebendigen, sozialkritischen Bildsprache, die Alltagskultur, Genderfragen und postkoloniale Machtverhältnisse reflektiert. 


Dotierung, Jury und Konzept

Der Bernd-und-Hilla-Becher-Preis 2025 ist mit 15.000 Euro (Hauptpreis) und 5.000 Euro (Förderpreis) dotiert. Die Entscheidung traf eine international besetzte Jury am 26. September 2024, darunter der Künstler Max Becher, Vertreterinnen des Centre Pompidou, des Kunstpalasts Düsseldorf und der HfG Karlsruhe.
Die Stadt Düsseldorf verleiht den Preis alle zwei Jahre, um das fotografische Vermächtnis von Bernd und Hilla Becher fortzuschreiben. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller betont, wie sehr beide Preisträgerinnen aktuelle kulturelle Diskurse fotografisch präzise und eindrucksvoll verhandeln.
Die Auswahl trifft eine international besetzte Fachjury. Für die Jahre 2022–2025 gehören ihr an:

  • Dr. Stephan Keller, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf
  • Miriam Koch, Beigeordnete für Kultur und Integration
  • Dr. Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast
  • Alona Pardo, Head of Programmes, Arts Council Collection UK
  • Florian Ebner, Leiter der fotografischen Sammlung, Centre Pompidou
  • Max Becher, Künstler und Sohn von Bernd und Hilla Becher
  • Ute Mahler, Fotografin und Mitbegründerin der Ostkreuzschule Berlin

Der Bernd-und-Hilla-Becher-Preis

Der Bernd-und-Hilla-Becher-Preis wird alle zwei Jahre durch die Landeshauptstadt Düsseldorf vergeben und erinnert an das international einflussreiche Fotografenpaar Bernd und Hilla Becher. Die beiden prägten mit ihren sachlich-konzeptuellen Aufnahmen industrieller Bauwerke die sogenannte „Düsseldorfer Fotoschule“. Seit 1976 lehrten sie an der Kunstakademie Düsseldorf und trugen entscheidend zur Etablierung der Fotografie als künstlerisches Medium bei.
Der Hauptpreis ehrt Künstlerinnen, Künstler sowie Theoretikerinnen, Kuratorinnen oder Akteure angrenzender Medien, die einen bedeutenden Beitrag zur künstlerischen Fotografie leisten. Der Förderpreis richtet sich an Nachwuchskünstlerinnen und -künstler im Bereich Fotografie und Medienkunst. Die aktuelle Vergabe im Juni 2025 markiert die dritte Preisverleihung. Frühere Preisträger:innen waren u.a. Carrie Mae Weems, Hannah Darabi, Evelyn Richter und Theo Simpson.


Ausstellung und Rahmenprogramm

Die begleitende Ausstellung zum Bernd-und-Hilla-Becher-Preis 2025 im Sommer in der Kunsthalle Düsseldorf wird flankiert von einer Becher-Preis-Woche mit Filmvorführungen, Artist-Talks, Podien und Diskursformaten. Beteiligte Institutionen sind unter anderem das K21, der Salon des Amateurs und die Black Box im Filmmuseum Düsseldorf. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

 

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