Auf dem Weg zum Welterbe

Ende Oktober 2021 hat das Land Berlin den Welterbevorschlag „KMA + Interbau. Architektur und Städtebau der Nachkriegsmoderne“ eingereicht. Mit vielfältigen Beteiligungsformaten will das Landesdenkmalamt nun regelmäßig über das potentielle Welterbe und Hintergründe informieren. Übermorgen, am 12. Januar 2022, spricht Architekt Thomas Zill in der Reihe „Digitaler Dialog – Auf dem Weg zum Welterbe“ über die Arbeit des Stadtplaners und Architekten Josef Kaiser (1910–1991)

Im Rahmen der Fortschreibung der deutschen Tentativliste für das UNESCO-Welterbe ergriff Berlin 2021 die Chance, die denkmalgeschützten Ensembles Karl-Marx-Allee (1. und 2. Bauabschnitt) und Interbau 1957 (Hansaviertel, Kongresshalle im Tiergarten, Corbusier- haus am Olympiastadion) erneut zur Nominierung vorzuschlagen. In der Reihe „Digitaler Dialog – Auf dem Weg zum Welterbe“ werfen Expert:innen nun Schlaglichter auf ausgewählte Themen, die im Anschluss offen durch ein breites Publikum diskutiert werden sollen. Übermorgen, am 12. Januar, findet der nächste digitale Dialog statt. Architekt Thomas Zill spricht über den Stadtplaner und Architekten Josef Kaiser (1910–1991), Architekt in der Karl-Marx-Allee 2. Bauabschnitt.

Der Stadtplaner und Architekt Josef Kaiser

Mit der Realisierung des zweiten Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee prägte Prof. Josef Kaiser im Zuge des Wiederaufbaus insbesondere das Stadtbild des Ostberlins. Ihm sind u.a. der Bau der Kinos International und Kosmos (im ersten Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee) zuzuschreiben, außerdem das Café Moskau, Hotel Berolina, Centrum-Warenhaus am Alexanderplatz und das Außenministerium. Aber auch im Hansaviertel war er als Architekt vertreten.

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Punkthochhäuser, Wohnscheiben oder Mittelganghäuser

Kaisers Schaffensmittelpunkt war zeitlebens Berlin, blieb allerdings nicht darauf beschränkt. Bekannt sind bisher ca. 400 Bauten, Projekte und teils nicht ausgeführte Planungen, die ihn in den Kreis der wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts in Deutschland stellen. Seine Typenplanungen für den seriellen Wohnungsbau (z.B. mit der Entwicklung der Q3-Serie) in den 1950er und 1960er Jahren – ob für Punkthochhäuser, Wohnscheiben oder Mittelganghäuser – hatten beträchtlichen Einfluss auf die Bautätigkeit in der DDR. Seine Arbeiten im Forschungsinstitut für die Architektur der Bauten der Gesellschaft und Industrie zur Industrialisierung der Landwirtschaft, hier insbesondere die von 1953 bis 1954 entwickelten Grundlagen zur Planung von Kühlhäusern und Großsilos, waren von großer Bedeutung und wurden vielerorts realisiert. In den 1970er Jahren war er als Berater der Aufbauleitung Sondervorhaben Berlin an der Planung für den Palast der Republik, das Bettenhaus der Charité, das Internationale Handelszentrum (IHZ) und der Friedrichstadt-Palast beteiligt. Im Vortrag gibt Thomas Zill einen kurzen Überblick zu Leben und Werk von Josef Kaiser und stellt anschließend dessen Berliner Projekte in den Mittelpunkt.

Eine Tour durch das Hansa-Viertel sehen Sie hier: 

Otto Bartning als städtebaulicher Berater in Berlin

Der Kunst-, Architektur- und Städtebauhistoriker Dr. Paul Sigel ist Spezialist für die Geschichte und Theorie der Architektur und des Städtebaus des 20. Jahrhunderts und war Vorsitzender des Wissenschaftlichen Teams, das dieses Jahr gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt den Outstanding Universal Value für den Welterbevorschlag Karl-Marx-Allee und Interbau 1957 erarbeitet hat. Im Dezember 2021 beleuchtete der Bauhistoriker und Experte im OUV-Team in dieser Reihe anhand mehrerer Beispiele Otto Bartning maßgebliche Rolle als städtebaulicher Berater im Berlin der 1950er Jahre. Lesen Sie mehr hier.

Teilnahme: Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Bitten senden Sie eine Email an franziska.zucher@lda.berlin.de. Sie erhalten dann die Zugangsdaten zur Online-Veranstaltung. Die Teilnahme bei allen digitalen Dialogen ist kostenfrei. Bei Interesse können Sie sich gerne in den Verteiler eintragen lassen. Sie werden dann immer rechtzeitig über die nächsten Termine und Themen informiert. Dazu genügt eine leere Mail mit dem Betreff „Verteiler“ an sabine.ambrosius@lda.berlin.de.

Dieses Zeitungsjournal dokumentiert das von Anwohner:innen und Fachleuten getragene, breite bürgerschaftliche Engagement für die Welterbe-Nominierung.

Lesetipp: Der Münchner Olympiapark wurde für die Olympischen Spiele 1972 auf einem Trümmerberg des Zweiten Weltkrieges errichtet. Das architektonische Gesamtensemble – seit 1998 denkmalgeschützt – soll UNESCO-Welterbe werden. Im Sommer 2021 ist man in dieser Angelegenheit einen kleinen Schritt weiter gekommen: Der Antrag, den Olympiapark in die bayerische Vorschlagsliste aufzunehmen, wurde vom Expertenrat des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst positiv beurteilt. Lesen Sie mehr hier