20.04.2026

Branchen-News

Frischer Wind auf der Art Düsseldorf

Die diesjährige Art Düsseldorf kommt mit frischem Konzept daher und wurde erstmalig kuratiert. Foto: paula und co. photography
Die diesjährige Art Düsseldorf kommt mit frischem Konzept daher und wurde erstmalig kuratiert. Foto: paula und co. photography

Die Art Düsseldorf leistet sich in diesem Jahr einen kuratorischen Leiter, Gilles Neiens, und setzt neue inhaltliche Akzente. Zugleich zeigt sie, wie präsent und aktiv die rheinische Kunstszene weiterhin ist. Das Areal Böhler mit seinen lichtdurchfluteten Hallen prägt die Identität und besondere Atmosphäre der Messe.

119 Galerien, darunter zahlreiche Neuzugänge wie Esther Schipper und Bärbel Grässlin, präsentieren sich auf der Art Düsseldorf unter den kuratorischen Rubriken „Cosmic Feel“, „Panic Attack“ und „お辞儀 / Ōjigi“ sowie in Kategorien wie „Fragile Realities“. Es ist ein Konzept, das sich den Besuchenden nicht sofort vollständig erschließt, aber in Kombination mit der intelligenten und überraschenden Infrastruktur der Messe Raum für Entdeckungen eröffnet. Die Stimmung wirkt bei Besuchenden wie Ausstellenden überwiegend gut und optimistisch, und auch das VIP-Rahmenprogramm ist angenehm anspruchsvoll. Die Qualität ist insgesamt hoch, die Auswahl der Arbeiten überraschend, und selbst bei den großen Namen im höheren Preissegment finden sich ungewohnte Positionen.


Von der Messe ins Museum

Am Stand von Gebrüder Lehmann, Dresden, den Insider als den besten der Art Düsseldorf nennen, sind Arbeiten von Sławomir Elsner zu entdecken. Seine Farbstiftarbeiten, dichte Farbgeflechte aus präzisen geführten Linien, erscheinen als verschwommene Gedächtnisbilder kanonischer Werke der Kunstgeschichte, tief im kollektiven kulturellen Gedächtnis verankert. Seine Aquarelle reduzieren diese Bezüge weiter auf die reine Farbpalette. A 23. Mai eröffnet in der Gemäldegalerie Alte Meister die Ausstellung „Im Angesicht des Menschen. Sławomir Elsner / Albrecht Dürer“.
Bei Galleria Mazzoli, Modena/Berlin, sind Carlo Benvenutos C-Prints zu sehen, und bei 10 A.M. ART, Mailand, werden in einer retrospektiven Werkschau herausragende Arbeiten von Sandro de Alexandris (geb. 1939) präsentiert. Ausgehend vom kreativen Klima der Neo-Avantgarden der frühen 1960er-Jahre entstehen Reliefarbeiten, durchzogen von Lichtlinien, die ihre Form bestimmen – ganz im Sinne von ZERO. Ab den 1980er-Jahren formt er mit den „Superimpositions“ Fragmente der eigenen Malerei um, reorganisiert und collagiert sie und entwickelt so eine neue Bildstruktur. Seit den 2000er-Jahren widmet er sich verstärkt der Farbfeldmalerei.
Die Galerie Nadan aus Berlin, zeigt auf der Art Düsseldorf den südkoreanischen Künstler Shinoh Nam mit „#1 A-10092020 Debris: Seagram Building“, 2021, einem Fassadenelement aus Stahlprofilen und -blechen. Die Galerie Martinez aus Köln, freut sich über den Ankauf der Arbeit „Kommst du jetzt mit saufen, oder was?“, 2025, von Jody Korbach für den Kunstpalast durch den Mäzenatenkreis.

Für den Kunstpalast angekauft: Jody Korbach, Kommst du jetzt mit saufen, oder was? © Jody Korbach / Martinez, Köln, Fotos: paula und co. photography 

Zwischen Schwere und Spiel

Die Galerie See you next Tuesday aus Basel, die sich auf zeitgenössische, feministische Kunst spezialisiert hat, präsentiert Arbeiten von Inka ter Haar, deren Werk sich auf Gewalt, ihre psychologischen Folgen sowie die generationenübergreifende Weitergabe von Verlust- und Gewalterfahrungen konzentriert. Leichter geht es am Stand von Crone zu: Gewohnt spielerisch zeigt sich Christian Jankowsky bei Crone, Berlin: hochskalierte, in Bronze gegossene Knetfiguren, fröhlich strahlend gelb gefasst. Jankowsky hat Schülerinnen und Schüler in Lübeck unter der Fragestellung, was ihnen in ihrer Stadt oder an ihrer Schule fehle, diese Figuren entwerfen lassen. Bei Schenkweitzdörfer überzeugen filigrane Porzellanarbeiten der koreanischen Künstlerin Soah Kim sowie eine großformatige Malerei von Maria Zerres aus dem Jahr 1999.
Maria Legats Malerei ist auf der Art Düsseldorf bei der österreichischen Galerie3 zu sehen. Sie zeigt großformatige, prozessorientierte Gemälde auf Leinwänden, die direkt an die Wand genagelt sind. Ausgangspunkt sind Kohlezeichnungen, die sich – ausgehend von abstrakten Formen – zu in Öl gefasster, farbiger Figuration entwickeln und aktuelle gesellschaftliche Themen verhandeln. Bei Judith Andreae, Bonn, knüpft Lucia Kempkes Kunst an die Tradition der Textilweberei an: flirrende textile Landschaften entstehen zunächst als Malerei auf einzelnen Fäden, die anschließend zu Geweben verwoben werden; skulptural oder als „Flachware“.

Die Galerie See you next Tuesday hat sich auf zeitgenössische feministische Kunst spezialisiert, wie hier von Inka ter Haar. Foto: Sandra Paula Rademacher
Die Galerie See you next Tuesday hat sich auf zeitgenössische feministische Kunst spezialisiert, wie hier von Inka ter Haar. © Inka ter Haar, See you next Tuesday, Basel, Fotos: paula und co. photography 

Zwischen Bildraum und Wirklichkeit

Dioramen, spektakuläre Verschachtelungen, Märklineisenbahnen und wunderbare „Irgendwas-stimmt-nicht“-Landschaften von Sven Kroner gibt es bei Jochen Hempel, Leipzig zu entdecken. In dieser Solopräsentation geht er noch weiter und öffnet eine dritte Ebene: Plötzlich manifestieren sich die Häuschen aus den Bildern in ihrer eigentümlichen Besonderheit im Raum. Das anonymous art project, Tokio, zeigt eine narrative Arbeit von Yoshitomo Nara aus dem Jahr 1988, dem Jahr, in dem er zum Studium nach Düsseldorf zieht. Sexauer aus Berlin, zeigt Caroline Kryzecki, deren minutiöse, kegelschnittförmige Pinselabdrücke durch Variation von Farbe, Ausrichtung und Opazität minimalistisch, streng und zugleich verspielt wirken. Die Künstlerin Paloma Proudfoot verbindet Skulptur, Modedesign, historische Anspielungen und zeitgenössische kulturelle Reflexionen. Zu sehen bei Soy Capitán, Berlin. Bei Petrine, Paris/Düsseldorf, begegnet man manifestierten Sprichwörtern und Bonmots in einer installativen Arbeit in Form von Schnittmustern von Alina Rentsch. Gether Contemporary aus Kopenhagen zeigt auf der Art Düsseldorf Rune Bosse. Er untersucht mit poetischem wie wissenschaftlichem Ansatz Strukturen, Muster und Eigenschaften der Natur; hier in Fotografien und Collagen. Ebenfalls zu sehen ist die Trompe-l’œil-Malerei von Jochen Mühlenbrink mit „Doubting Thomas“.

Skulptur, Modedesign und historische Anspielung in Einem: Das Werk stammte von Paloma Proudfoot. Foto: Sandra Paula Rademacher
Skulptur, Modedesign und historische Anspielung in Einem: Das Werk stammte von Paloma Proudfoot. © Paloma Proudfoot, Soy Capitan, Berlin, Fotos: paula und co. photography 

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