900 kleine Risse gesichert

Zwei Jahre dauerte die Restaurierung eines im 18. Jahrhundert angefertigten Toravorhangs. Im Rahmen der Sonderausstellung „Konrad der Große – Die Adenauer-Zeit in Köln 1917–1933“ im Kölnischen Stadtmuseum ist die Textilie aus der Synagoge in Köln-Deutz nun zu bestaunen. Unsere Autorin Alexandra Nyseth liefert Einblicke in die Restaurierungsarbeiten.

Der Toravorhang aus dem Jahr 1732 stammt aus der Synagoge in Köln-Deutz und wurde aus einem bordeauxroten, echten Seidenmoiré gefertigt. Zusätzlich ist er mit Silber- und Goldlahnen sowie Silber- und Seidenfäden in Sprengtechnik reich verziert. Diplom Restauratorin Julia Nagel-Geue führte die Restaurierung durch: „Im Laufe der Jahre wurde der 143 mal 110 Zentimeter große Vorhang stark genutzt, mehrmals laienhaft bearbeitet, sowohl in seinen Maßen und seiner Ausgestaltung als auch bezüglich seiner Haltbarkeit“, erklärt die Expertin. Mehrere Nahtumbüge, Maschinen- und Handnähte an den äußeren Kanten zeugen ebenso davon wie mindestens 16 unterschiedliche Garne, von denen zwölf als nicht ursprünglich eingeordnet werden konnten.

900 kleine Risse im Gewebe

„Hauptschwierigkeit war die Erforschung der Restaurierungsgeschichte und die Suche nach einer geeigneten Glättungsmethode für dieses hoch feuchtigkeitsempfindliche Gewebe. Dass die fast 900 kleinen Risse im Gewebe durch Spannstiche mit Grègefäden und gegebenenfalls mit Mikro-Klebepads gesichert werden, war von Beginn an klar und zeigte sich auch während der restauratorischen Arbeit als die richtige Entscheidung“, erinnert sich Julia Nagel-Geue.

Fast alle der etwa 306 Schriftzeichen, die ursprünglich auf den Seidenrips aufgeklebt worden waren, waren mit mehreren Garnen in unterschiedlicher Intensität und Qualität auf dem Rips festgenäht. Oberhalb der zentral sitzenden Krone waren bereits unterschiedliche, neuere Gewebe eingesetzt. Nach dem Lösen aller groben und nicht originalen Stopfstellen behandelte die Restauratorin den Moiré mit kaltem Wasserdampf, sodass die fachgerechte nähtechnische Bearbeitung folgen konnte.

Nach der Restaurierung, die zwei Jahre dauerte, wird der Toravorhang nun seit Juli in der Sonderausstellung „Konrad der Große – Die Adenauer-Zeit in Köln 1917–1933“ präsentiert.

Ebenfalls spannende Projekte zum Thema Textilrestaurierung laufen derzeit etwa im Bernischen Historischen Museum und am Institut für Christliche Archäologie der Universität Bonn.