500 Jahre Wandmalereien

 

Im Jahre 1516 wurden die Wandmalereien im Gästerefektorium des Dominikanerklosters Prenzlau aus dem 14. Jahrhundert in Seccomalerei aufgetragen. Seitdem wurden sie mehrmals übertüncht. Nun ist ihre Restaurierung abgeschlossen. Eine kleine Ausstellung erläutert nicht nur Ikonografie der Malereien, sondern auch die Restaurierung selbst.

Wandmalereien
Geißelung aus dem Passionszyklus an der Ostwand des Refektoriums. Foto: Dominikanerkloster Prenzlau.

 

Der Zyklus im Refektorium des Dominikanerklosters Prenzlau aus dem Jahre 1516 umfasst eine Wandmalereifolge in zwei Registerebenen, die drei Seiten des Raums umspannt. In den Bogenfeldern der oberen Bildebene ist der Passionszyklus dargestellt.

1915 wurden die Wandmalereien bei Renovierungsarbeiten in den Klausurgebäuden entdeckt und partiell offenbar recht grob freigelegt. Die Freilegung wurde abgebrochen und ein grau-brauner Anstrich aufgetragen. Bis in die 1950er Jahre wurden die Wandmalereien immer mal wieder restauriert und auch übertüncht. Der letzte Anstrich in weiß erfolgte in den 1980er Jahren. Im Zuge der umfangreichen Instandsetzung der gesamten Klosteranlage 1997 bis 1999 restaurierte man die Malereien der Nord-, Ost- und Westwand. Ziel war es, eine geschlossene Raumfassung wiederherzustellen. Dabei sollten die Wandmalereifragmente so eingebunden werden, dass ihre Zugehörigkeit zu einem ursprünglich wandfüllenden Malereizyklus wieder ersichtlich sind.

Ikonografische Besonderheiten

Die letzte Restaurierung erfolgte 2014 an der Südwand mit überraschenden Ergebnissen. So war die Ausmalung der linken Nische nicht bekannt gewesen. Außerdem zeichnen sich die freigelegten Wandmalereien durch ikonografische Besonderheiten aus: Es fällt zum Beispiel auf, dass die Stelle im Passionszyklus, die für das Letzte Abendmahl reserviert scheint, durch zwei formal abendmahlähnliche, jedoch inhaltlich verschiedene Szenen eingenommen werden: „Die Fußsalbung Christi“ und „Die Speisung des hl. Dominikus durch die Engel“. Der Ordensgründer der Dominikaner wurde so bewusst in die Nähe Christi gerückt.

Den heutigen Maßstäben der Denkmalpflege entsprechend, wurde dabei die Originalsubstanz erhalten, nicht jedoch die Rekonstruktion des ursprünglichen Bilds angestrebt. Nach 500 Jahren ist das Refektorium nun wieder in seiner raumumspannenden Ausmalung zu besichtigen.

Ausstellung im Refektorium

In der Ausstellung werden sowohl das ikonografische Programm, die Auftraggeber und die Ausführenden thematisiert als auch Aspekte des Handwerks, der alten Techniken bis hin zu den heutigen Methoden der Restaurierung und Erhaltung. Anhand von Tafeln erläutern die Kuratoren die Restaurierungsgeschichte sowie Details zur Restaurierung 1999 und 2014, insbesondere zum Malgrund und zu den Restaurierungsmitteln. Eine Vitrine ist mit historischen Pigmenten, Leim sowie Kalk und Instrumenten der Restauratoren bestückt.

Derzeit widmet sich ein Projekt des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege (BLDAM) mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) der vollständigen Erfassung und wissenschaftlichen Aufbereitung der mittelalterlichen Wandmalereien im nordöstlichen Brandenburg, was auch für die Prenzlauer Malereien noch tiefergehende Erkenntnisse verspricht. Bis zum 11. September 2016 können Sie die Ausstellung im Refektorium und im Kreuzgang besichtigen.