Weiter südlich, bei Karl & Faber finden die Auktionen am 4. und 5. Dezember statt und bei Ketterer Kunst am 5. und 6. Dezember statt. Mit gleich zwei Arbeiten von Wassily Kandinsky aus dessen Zeit am Bauhaus trumpft Karl & Faber auf. Das Top-Los des Hauses ist die Arbeit „Beruhigt“ aus dem Jahr 1930 Kandinskys. Im Evening Sale am 4. Dezember kommt es für 1,1 bis 1,3 Millionen zum Aufruf. Das für seine Zeit am Bauhaus exemplarische Werk verbindet Farben und Klänge – Kandinsky war Synästhetiker. Zudem ist der Einfluss des Bauhauses und der dort tätigen Künstler:innen erkennbar: Mit Paul Klee wohnte er in Dessau Tür an Tür.
Sammler:innen von Arbeiten auf Papier werden bei Karl & Faber ebenfalls fündig: Eine besonders interessante Arbeit stammte von Amedeo Modigliani. Die Zeichnung „Cariatide“ aus dem Jahr 1913 und wird auf 380.000 bis 450.000 Euro geschätzt. Zudem kommen auch mehrere Arbeiten auf Papier von Gustav Klimt sowie Egon Schiele zum Aufruf. Von Paula Becker, zu diesem Zeitpunkt war sie noch nicht mit Otto Modersohn verheiratet, stammte die Arbeit „Sitzendes Kind mit Buch auf dem Schoß“. Das Besondere an dem Gemälde von 1897/98 ist, dass sich verso noch eine weitere Darstellung verbirgt: „Tümpel mit Birkenstämmen“. Diese rückseitige Arbeit fertigte Paula Becker während ihrer Zeit in Worpswede 1898 an. Taxiert ist das Werk auf 80.000 bis 100.000 Euro.
All jene die ihren Sammelschwerpunkt auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gelegt haben, werden natürlich auch fündig. Eine ungewöhnliche Arbeit stammte von Andy Warhol, der ab 1982 im Auftrag seines Freundes und Galeristen Bruno Bischofberger die sogenannten „Toy Paintings“ schuf. Diese Bilderserie wandte sich explizit an Kinder. Abgebildet sind aufziehbare Blechspielzeuge aus der Sammlung Warhols. Die Serie umfasst 128 Leinwände auf denen jeweils eins der Spielzeuge festgehalten sind, darunter befinden sich u. a. Hunde, Pandas, Affen, Clowns, Roboter, oder wie bei der nun bei Karl & Faber angeboten Arbeit, ein Papagei. 1983 wurden die Arbeiten in der Galerie Bruno Bischofbergers in Zürich ausgestellt – der besondere Clou dabei: Der Raum war gestaltet wie ein riesiges Kinderzimmer und die Arbeiten war auf Augenhöhe der Kinder angebracht – Erwachsene mussten sich bücken oder in die Hocke gehen, um sie zu betrachten.
Ebenfalls Kandinsky im Angebot hat Ketterer Kunst. Die Arbeit von 1926 stammte aus einer über vier Jahrzehnte aufgebauten Berliner Privatsammlung. Das Top-Los der Auktion stammte von Hermann Max Pechstein. Das radikal-expressionistische Werk trägt den Titel „Inder und Frauenakt“ und wurde von Pechstein 1910 fertiggestellt und kommt in der Auktion für 2 Millionen zum Aufruf. Ebenfalls hervor sticht insbesondere Andy Warhols seltene Marylin-Siebdruckserie, die in ihrer vollständigen Form nur äußerst selten auf dem Markt erscheint. Die Serie kommt in der Auktion für den Schätzpreis von 1,5 bis 2,5 Millionen zum Aufruf. Ebenso bemerkenswert ist Robert Motherwells monumentales „Open #184“ von 1969, ein Hauptwerk aus seiner wegweisenden „Open Series“, das mit 400.000 Euro taxiert ist und eindrucksvoll den Übergang des Künstlers zum minimalistischeren Ausdruck markiert.
Insgesamt zeigt sich die diesjährige Wintersaison von einer besonderen Intensität: Herausragende Provenienzen, marktfrische Raritäten und seltene Sammlungsauflösungen verbinden sich zu einem Angebot, das Sammler:innen weit über Deutschland hinaus lockt – und die letzten Auktionswochen des Jahres zu einem Höhepunkt des Kunstmarkts macht. Wer sich für Kunst, Marktbewegungen und die Dynamik großer Auktionen interessiert, erlebt in diesem Winter ein seltenes Zusammenspiel aus Tradition, Wiederentdeckung und internationaler Strahlkraft.
Weiterlesen: Restauratorin Katharina Haider hat sich auf die Restaurierung von Post War und Contemporary Kunst spezialisiert und restaurierte u. a. bereits Werke von Warhol.