Bei Van Ham in Köln gibt es diese marktfrische Arbeit zur Auktion. Foto: VAN HAM
Bei Van Ham in Köln gibt es diese marktfrische Arbeit zur Auktion. Foto: VAN HAM

Von Pechstein über Jawlensky bis zu Warhol

Die diesjährigen Winterauktionen in Köln und München versprechen spannende Kunstmomente zum Jahresende. Während die Tage kürzer werden, lassen sich spannende Kunstwerke entdecken. Van Ham in Köln und Ketterer Kunst sowie Karl & Faber in München öffnen ihre Säle für außergewöhnliche Kunstwerke der Klassischen Moderne, der Nachkriegszeit und der zeitgenössischen Kunst. Diese Saison ist geprägt von spektakulären Sammlungsauflösungen, seltenen Marktauftritten und eindrucksvollen Werkzyklen.

Den Auftakt macht Van Ham in Köln: Am 3 Dezember kommen im Evening Sale Werke der Klassischen Moderne, des Post Wars aber auch Zeitgenössisches zum Aufruf. Sammler:innen der Klassischen Moderne können sich in der Auktion auf Werke Max Pechsteins, Emil Noldes und Alexej Jawlenskys freuen. Das Werk Jawlenskys „Blick auf Murnau“ um 1908 ist eines der ersten Murnau-Gemälde des Künstlers. Der Künstler hatte mit Marianne von Werefkin im Herbst des Jahres 1907 den Ort Murnau auf ihren Streifzügen durch das oberbayerische Voralpenland entdeckt. Das Gemälde, das einen Blick auf die Häuser Murnaus zeigt, hat Van Ham auf 200.000 bis 300.000 Euro taxiert. Eine besonders eindringliche Arbeit ist das „Stillleben mit Maske und Pullover“ von Felix Nussbaum, der von den Nationalsozialisten als jüdischer Künstler Verfolgung ausgesetzt war und sich daher seit 1935 im Exil im belgischen Ostende befand. Das Stillleben entstand im belgischen Küstenort und ist nur schwer zu deuten. Doch vor dem biografischen Hintergrund – Felix Nussbaum wurde 1944 in Auschwitz ermordet – hat es eine beklemmende Wirkung, zumal die Maske, die einer Person-of-Colour ist. Sammler:innen des deutschen Künstlers Gerhard Richter haben beim Evening Sale direkt achtmal die Chance ein Werk des Künstlers zu ersteigern, und zwar frühe als auch spätere Arbeiten. Ein Highlight der Auktion ist das Gemälde „Beautiful Lady“ von Andy Warhol aus dem Jahr 1984. Warhol hatte die porträtierte Dame bereits häufiger gebeten, sie darstellen zu dürfen – bis sie schließlich zustimmte. Seit seiner Entstehung befand sich das Gemälde im Besitz der Porträtierten und kann nun von Van Ham marktfrisch für 300.000 bis 500.000 Euro angeboten werden.

Das Stillleben von Felix Nussbaum ist eine besonders eindringliche Arbeit. Foto: VAN HAM
Das Stillleben von Felix Nussbaum ist eine besonders eindringliche Arbeit. Foto: VAN HAM

Day Sale und besondere Sammlungen
Im Juli 2024 beantragte die Galerie Thomas die Insolvenz – eine Meldung, die die Kunstwelt in Deutschland in Aufruhe versetzte. Das Auktionshaus Van Ham wurde mit der Versteigerung der Insolvenzmasse beauftragt. Über 400 Kunstwerke werden nun in mehreren Auktionen versteigert, wie Markus Eisenbeis berichtet. Die Galerie Thomas war seit 1964 eine Institution für Klassische Moderne, Expressionismus und internationale Gegenwartskunst. Am 4. Dezember kommen 17 Werke in einer Live-Auktion zum Aufruf. Rund 400 Arbeiten werden in zwei Online-Auktionen im Dezember 2025 und Januar 2026 versteigert. Zu den Highlights der Live-Auktion gehören Arbeiten von Wojciech Fangor, Leiko Ikemura und Walter Stöhrer. Die Online Only-Auktionen, ebenfalls Teil des Thomas-Nachlasses, beinhalten Arbeiten von Joseph Beuys, Serge Poliakoff und Tom Wesselmann – viele ohne Limit. Es ist eine seltene Gelegenheit, Werke dieser Namen in niedrigeren Schätzpreisbereichen zu finden. Dass Van Ham seit Jahren als gute Adresse für Insolvenzauktionen gilt, bestätigt diese Auktion eindrucksvoll: Schon die „Achenbach Art Auction“ 2016 zeigte, dass man in Köln Erfahrung damit hat.
Neben den Beständen der Galerie Thomas kommen eindrucksvolle Fotografien aus der Sammlung von Anne Maria Jagfeld zum Aufruf. Die Sammlerin und Interior-Designers hat eine Fotosammlung mit 900 Arbeiten aufgebaut, 50 davon werden am 4. Dezember bei Van Ham versteigert. Anne Maria Jagfeld hat ein ausgeprägtes Interesse an Mode und so sind viele der angebotenen Fotografien von Modefotografen wie Helmut Newton, Richard Avedon, Irving Penn und Horst P. Horst. Ein besonderes Highlight ist die Fotografie „Dovima with Elephants“ von Richard Avedon. Das Fotomodell Dovima, war eines der erfolgreichsten Models ihre Zeit und zierte die Titelseiten aller wichtigen Modemagazine, darunter für Harper’s Bazaar. Für die August-Ausgabe 1955 entstand die nun bei Van Ham angebotene Arbeit. Sie zeigt das Model in einem von Yves Saint Laurent für Dior entworfen schwarzen Abendkleid mit weißer Schärpe zwischen zwei Elefanten des Pariser Cirque d’hiver. Abzüge des Fotos sind im Metropolitan Museum sowie Museum of Modern Art in New York. Van Ham taxiert es auf 30.000 bis 50.000 Euro. Zu den weiteren Highlights der Auktionen zählen Arbeiten von Max Slevogt, Max Liebermann, Otto Dix, Serge Poliakoff und Leiko Ikemura.

Das Top-Los der Auktion bei Karl & Faber stammte von Wassily Kandinsky. Foto: Karl & Faber
Das Top-Los der Auktion bei Karl & Faber stammte von Wassily Kandinsky. Foto: Karl & Faber

Auch München lockt mit spannenden Werken

Weiter südlich, bei Karl & Faber finden die Auktionen am 4. und 5. Dezember statt und bei Ketterer Kunst am 5. und 6. Dezember statt. Mit gleich zwei Arbeiten von Wassily Kandinsky aus dessen Zeit am Bauhaus trumpft Karl & Faber auf. Das Top-Los des Hauses ist die Arbeit „Beruhigt“ aus dem Jahr 1930 Kandinskys. Im Evening Sale am 4. Dezember kommt es für 1,1 bis 1,3 Millionen zum Aufruf. Das für seine Zeit am Bauhaus exemplarische Werk verbindet Farben und Klänge – Kandinsky war Synästhetiker. Zudem ist der Einfluss des Bauhauses und der dort tätigen Künstler:innen erkennbar: Mit Paul Klee wohnte er in Dessau Tür an Tür.
Sammler:innen von Arbeiten auf Papier werden bei Karl & Faber ebenfalls fündig: Eine besonders interessante Arbeit stammte von Amedeo Modigliani. Die Zeichnung „Cariatide“ aus dem Jahr 1913 und wird auf 380.000 bis 450.000 Euro geschätzt. Zudem kommen auch mehrere Arbeiten auf Papier von Gustav Klimt sowie Egon Schiele zum Aufruf. Von Paula Becker, zu diesem Zeitpunkt war sie noch nicht mit Otto Modersohn verheiratet, stammte die Arbeit „Sitzendes Kind mit Buch auf dem Schoß“. Das Besondere an dem Gemälde von 1897/98 ist, dass sich verso noch eine weitere Darstellung verbirgt: „Tümpel mit Birkenstämmen“. Diese rückseitige Arbeit fertigte Paula Becker während ihrer Zeit in Worpswede 1898 an. Taxiert ist das Werk auf 80.000 bis 100.000 Euro.
All jene die ihren Sammelschwerpunkt auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gelegt haben, werden natürlich auch fündig. Eine ungewöhnliche Arbeit stammte von Andy Warhol, der ab 1982 im Auftrag seines Freundes und Galeristen Bruno Bischofberger die sogenannten „Toy Paintings“ schuf. Diese Bilderserie wandte sich explizit an Kinder. Abgebildet sind aufziehbare Blechspielzeuge aus der Sammlung Warhols. Die Serie umfasst 128 Leinwände auf denen jeweils eins der Spielzeuge festgehalten sind, darunter befinden sich u. a. Hunde, Pandas, Affen, Clowns, Roboter, oder wie bei der nun bei Karl & Faber angeboten Arbeit, ein Papagei. 1983 wurden die Arbeiten in der Galerie Bruno Bischofbergers in Zürich ausgestellt – der besondere Clou dabei: Der Raum war gestaltet wie ein riesiges Kinderzimmer und die Arbeiten war auf Augenhöhe der Kinder angebracht – Erwachsene mussten sich bücken oder in die Hocke gehen, um sie zu betrachten.
Ebenfalls Kandinsky im Angebot hat Ketterer Kunst. Die Arbeit von 1926 stammte aus einer über vier Jahrzehnte aufgebauten Berliner Privatsammlung. Das Top-Los der Auktion stammte von Hermann Max Pechstein. Das radikal-expressionistische Werk trägt den Titel „Inder und Frauenakt“ und wurde von Pechstein 1910 fertiggestellt und kommt in der Auktion für 2 Millionen zum Aufruf. Ebenfalls hervor sticht insbesondere Andy Warhols seltene Marylin-Siebdruckserie, die in ihrer vollständigen Form nur äußerst selten auf dem Markt erscheint. Die Serie kommt in der Auktion für den Schätzpreis von 1,5 bis 2,5 Millionen zum Aufruf. Ebenso bemerkenswert ist Robert Motherwells monumentales „Open #184“ von 1969, ein Hauptwerk aus seiner wegweisenden „Open Series“, das mit 400.000 Euro taxiert ist und eindrucksvoll den Übergang des Künstlers zum minimalistischeren Ausdruck markiert.
Insgesamt zeigt sich die diesjährige Wintersaison von einer besonderen Intensität: Herausragende Provenienzen, marktfrische Raritäten und seltene Sammlungsauflösungen verbinden sich zu einem Angebot, das Sammler:innen weit über Deutschland hinaus lockt – und die letzten Auktionswochen des Jahres zu einem Höhepunkt des Kunstmarkts macht. Wer sich für Kunst, Marktbewegungen und die Dynamik großer Auktionen interessiert, erlebt in diesem Winter ein seltenes Zusammenspiel aus Tradition, Wiederentdeckung und internationaler Strahlkraft.

 

Weiterlesen: Restauratorin Katharina Haider hat sich auf die Restaurierung von Post War und Contemporary Kunst spezialisiert und restaurierte u. a. bereits Werke von Warhol.

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