Für den differenzierten Umgang mit dem Bestand

Architekt:innen versuchen meist,fertige Häuser,also in sich schlüssige Baukunstwerke für die Ewigkeit zu erschaffen. Aber hält dieser Anspruch der Realität stand? Sollte das überhaupt der Anspruch sein? Inspiriert durch Referenzen aus der Baugeschichte, der Kunst und der Anthropologie hat das junge Stuttgarter Atelier Kaiser Shen verschiedene Thesen entwickelt und diese anhand von eigenen Projekten überprüft. Ab kommenden Mittwoch werden jene in einer Ausstellung in der architekturgalerie am weißenhof in Stuttgart präsentiert (bis 3. Oktober 2022).

Differenzierter Umgang mit dem Bestand

Im Fokus steht dabei auch ein differenzierter Umgang mit dem Bestand. „Bauen im Bestand ein bedeutsames Thema unserer Generation“, erklären Florian Kaiser und Guobin Shen. Während viele Architekt:innen in der Klassischen Moderne von der tabula rasa träumten und die Denkmalpflege Bestehendes stets zu konservieren versucht, streben wir heute einen differenzierten Umgang mit dem Bestand an. Dabei sollten wir selbstbewusst und gelassen bleiben. Der Bestand muss von den Weiterbauenden mit großer Sorgfalt untersucht, verinnerlicht und durchdrungen werden. Fast jedes Bauwerk hat ein in sich schlummerndes Potenzial — sei es die räumliche Komposition, die Erscheinung oder lediglich die Konstruktion und die verbaute Materie. Dieses Potenzial muss gefunden und abgerufen werden.” Zur Ausstellung erscheint die Publikation «Unfertige Häuser 未完的建築», in der Florian Kaiser und Guobin Shen die Thesen der Ausstellung ausführlich erläutern. Kuratiert wird die Ausstellung von Kyra Bullert und Prof. Dr. Klaus Jan Philipp.

Dass der Umbau von Gebäuden ist seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte gängige Praxis ist, beschreiben Florian Kaiser und Guobin Shen:  „Auf natürliche Weise blieben bestehende Gebäude erhalten und wurden von den Weiterbauenden modifiziert und ergänzt. Ein Paradebei- spiel hierfür ist der pragmatische Umgang mit dem römischen Amphitheater von Arles. Nachdem gegen Ende des 6. Jahrhunderts darin die letzten Spiele stattgefunden hatten, wurde es zu einer befestigten Siedlung mit drei Wehrtürmen ausgebaut (Abb. Foto). Hierbei handelte es sich offensichtlich nicht um eine ideologische Entscheidung, sondern vielmehr um eine pragmatische Weiternutzung der im Gebäude gebundenen Materialien.“

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Über das Atelier Kaiser Shen

Florian Kaiser, Dipl.-Ing. freier Architekt BDA, geboren 1987 in Biberach a. d. Riß, studierte Architektur an der Universität Stuttgart und schloss dort 2012 das Diplom mit mehreren Auszeichnungen ab. Während des Studiums Mitarbeit in verschiedenen Büros in Stuttgart, London und Peking. Nach dem Diplom arbeitete er bei Herzog & de Meuron in Basel. Von 2016 bis 2020 unterrichtete er am Institut für Baukonstruktion 3, Prof. Jens Ludloff, an der Universität Stuttgart und gründete 2017 gemeinsam mit Guobin Shen das Architekturbüro Atelier Kaiser Shen. Seit 2022 Jurytätigkeit. Ihre Arbeiten wurden mit verschiedenen Preisen ausge- zeichnet, darunter die Hugo-Häring-Auszeichnung 2020 und eine Anerkennung beim BDA Max40-Architekturpreis für junge Architektinnen und Architekten.

Guobin Shen, Dipl.-Ing. freier Architekt BDA, geboren 1984 in Zhejiang China, studierte Architektur an der Universität Stuttgart und schloss dort 2012 das Diplom mit mehreren Auszeichnungen ab. Mitarbeit bei verschiedenen Büros in Stuttgart, Basel und Shanghai, unter anderem bei Herzog & de Meuron und Projektleitung bei kreuger wilkins architek- ten. 2014—2016 Lehrtätigkeit im Städtebau-Institut Prof. Helmut Bott / Prof. Franz Pesch. Seit 2016 Lehrtätigkeit im Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwer- fens Prof. Markus Allmann an der Universität Stuttgart. Er gründete 2017 gemeinsam mit Florian Kaiser das Architek- turbüro Atelier Kaiser Shen. Seit 2020 Jurytätigkeit. Ihre Arbeiten wurden mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, darunter die Hugo-Häring-Auszeichnung 2020 und eine Anerkennung beim BDA Max40-Architekturpreis für junge Architektinnen und Architekten.

Mehr Informationen zum Büro finden Sie hier.

Die architkturgalerie am weißenhof

Die architekturgalerie am weißenhof hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Entwicklung der zeitgenössischen Architektur und Stadtplanung zwischen Technik, Bildender Kunst und Gesell- schaft in Ausstellungen, Vorträgen und Symposien vorzustellen. Sie wendet sich dabei sowohl an das Fachpublikum als auch an die interessierte Öffentlichkeit. Ihr Bemühen gilt einem aus- gewogenen Programm zwischen aktuellen Tendenzen der Baukultur und Themen der neueren Architekturgeschichte, wobei sie den intensiven Diskurs sucht und sich jedes Mal erneut dem Anspruch ästhetischer Präsentation und kritischer Reflexion stellt.

Geschichte und Standort

Die architekturgalerie am weißenhof wurde 1982 von Stuttgarter Architekten und dem BDA Baden-Württemberg gegründet. Sie ist damit eine der ältesten Architekturgalerien Europas. Im Bewusstsein des historischen Standorts zog sie im Jahr ihrer Gründung in den kleinenVorbau eines Mehrfamilienhauses auf dem Stuttgarter Weißenhof, das 1927 durch den Berliner Architekten Peter Behrens errichtet worden war. Als Teil eines ehemaligen Musterhauses gehören die Räume der Galerie heute zu den wenigen Orten der international berühmten Werkbundsiedlung „Die Wohnung“, die öffentlich zugänglich sind. Die Verpflichtung, jenes bahnbrechende Programm von 1927 im Umgang mit zeitgenössischer und historischer Architektur wahrnehmbar zu halten, übernahm die Galerie gerne und konnte bisher in ca. 150 Ausstellungen eine spannende und produktive Reflexion erreichen.

Organisation

Die architekturgalerie am weißenhof wurde als gemeinnütziger Verein gegründet. Mitglied
des Vereins kann jede erwachsene Einzelperson, aber auch juristische Personen oder Perso- nengemeinschaften, wie etwa Architekturbüros, werden. Im Turnus von zwei Jahren wird ein Vorstand sowie der Ausstellungsausschuss gewählt, der für Konzeption und Durchführung des Ausstellungsprogramms und sonstiger Veranstaltungen zuständig ist. Die Arbeit der Galerie in all ihrer Vielfalt basiert ausschließlich auf ehrenamtlichem Engagement der gewählten Ver- treter, die mitunter auch durch externe Kuratoren unterstützt werden. Ein Stab studentischer Mitarbeiter übernimmt auf Stundenlohnbasis die Galerieaufsicht und Aufbaudienste.

Vernissage, Mittwoch, den 29. Juni 2022, 19 Uhr, mit einer Einführung von Prof. Markus Allmann, Direktor des Instituts für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens an der Universität Stuttgart in der Architekturgalerie am Weißenhof

AusstellungDienstag bis Freitag 14–18 Uhr Samstag und Sonntag 12–18 Uhr, Eintritt frei

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