08. Oktober 2011 / Patricia Brozio
Und es ward Licht
Klack. Das Dunkel wird taghell. Licht, zu jeder Zeit. Das verdanken wir Thomas Alva Edison. Er erfand die Glühbirne und brachte die Zivilisationsgeschichte damit einen riesigen Schritt vorwärts. Sicherheit, Wohlstand, Modernität, das verbinden wir heute mit der Glühfadenlampe. Edison sorgte dafür, dass uns allen ein Licht aufgeht – fast so wie Gott am Anfang der Schöpfungsgeschichte die Welt in Helligkeit taucht. »Und die Erde war wüst und leer« heißt es in der Genesis. »Es war finster auf der Tiefe. Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.«
Licht steht am Anfang der Welt und am Anfang des Universums. Stellen Sie sich vor, dass bis heute das frei werdende Licht des Urknalls noch im Kosmos unterwegs und als kosmische Mikrowellenstrahlung meßbar ist. Anhand dieser Strahlung läßt sich das Bild des Universums, wie es vor Milliarden Jahren aussah, noch getreu nachbilden. Welches Element kann auf diese beeindruckende Weise sonst Geschichte transportieren?
Licht ist die Grundlage des Lebens, es bewirkt Wachstum. Auch unsere menschlichen Zellen kommunizieren mit Licht. Das nennt sich übrigens Biophotonik. Licht ist eine Form von Energie. Energie, die wir mit Hilfe von Solarzellen einfangen und dann wiederum nutzen, um in unseren Zimmern die »künstlichen Sonnen« anzuknipsen. Klack. Da schließt sich der Licht(Schalt)-Kreis.
Licht und Dunkel bringen Ordnung in Zeit und Raum. Durch Licht wird alles erst zu dem, als das wir es wahrnehmen. Ohne Licht geht es einfach nicht. Das sagen übrigens auch Anhänger der Lichttherapie, die dem Licht heilende Wirkung nachsagen. Licht helfe gegen Winterdepressionen.
»Mehr Licht!« sollen die letzten Worte Goethes gewesen sein. Kaum ein Zitat ist bekannter, auch wenn dieser Ausruf nicht bezeugt ist. Egal, was da dran ist, in der Mythologie und in den Religionen gibt es kaum stärkere Metaphern wie Licht und Finsternis. »Und Gott sah, dass das Licht gut war.« Licht ist Sinnbild für das Gute, Finsternis für das Böse.
Aber ganz egal wie viel Gutes man dem Licht nachsagt; Licht kann auch viel ruinieren. Das wissen auch Restauratoren, die Kunst- und Kulturgüter im Sinne der Präventiven Konservierung vor zu viel und vor dem falschen Licht schützen. Auf die richtige Art von Licht und auf die Wahl der Lichtverhältnisse kommt es an; in der Kunst und Konservierung, in der Architektur, im ganzen Leben. Hell ist eben nicht gleich hell. Da gibt es gewisse Unterschiede.
Klack. Die Glühbirne ist tot, weil die EU ihre Bürger nun schrittweise zum Stromsparen erziehen will. Fortan müssen wir auf anderes Licht setzen. Auf die Beleuchtung von Räumen wird das Auswirkungen haben. Der Unterschied zwischen neuen und alten Birnen ist eben nicht nur so dünn wie ein Wolframdraht. Nun wird alles anders. Der amerikanische Lichtkünstler James Turrel sagte zu den Energiesparlampen: »Was wir an Strom sparen, stecken wir jetzt in Kosmetika, weil wir so schlecht aussehen in diesem neuen Licht.« Vielleicht mag er ja Recht behalten.
Licht in RESTAURO
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Wir fanden das facettenreiche Thema Licht so spannend, dass wir diesem RESTAURO 7/2011 widmen. Hierin beleuchten unsere Autoren im wahrsten Sinne des Wortes viel Wissenswertes über Kunst, Licht und Konservierung.


