06. Oktober 2011 / Ursula Fuhrer, Christina von Buchholtz
Studieren in Taiwan
Ein Lehrauftrag führte die Diplom-Restauratorinnen Christina von Buchholtz und Ursula Fuhrer nach Taiwan. Dort unterrichteten sie zeitweise an der Tainan National University of Arts (TNNUA) das Fach Konservierung und Restaurierung von polychromen Holzobjekten und Gemälden.
Nördlich von Tainan, einer der ältesten Städte im südlichen Teil der Insel Taiwan (R.O.C.), befindet sich die Tainan National University of the Arts, an der Musik, Film und Kunst gelehrt wird. Das Campusgelände ist modern und ähnelt einem Campus in den USA.
Seit 1999 gibt es hier am Graduate Institute of Conservation of Cultural Relics auch die Ausbildung als Restaurator für Papier, Gemälde und Objekte aus Holz mit Masterabschluss, für Wandmalerei seit diesem Semester nicht mehr. In Ostasien gab es bislang auf internationalem Niveau nur drei Ausbildungsstätten zum Restaurator: zwei in Japan, eine in Taiwan.
Die Lehrinhalte ähneln denen in Deutschland: Kunstgeschichte, Ethik, Chemie, Untersuchungsmethoden, Restaurierungsgeschichte und deren Wissenschaft sowie restauratorische Maßnahmen und Methoden. Letztere behandeln historische Techniken, wie z.B. Holzbearbeitung, Vergolden, Lackieren und Malerei mit Tungöl.
Viele ausländische Restauratoren haben dort in der sehr gut ausgestatteten Werkstatt bereits gelehrt, so dass die Studenten lernen, breitgefächert zu denken. Eine besondere Leistung der Studiengangsleitung ist die Verankerung aus bestehender Kultur und internationaler Restaurierungsethik.
Zu Beginn des Wintersemesters werden jährlich ca. zwei bis sechs Studienanfänger insgesamt aufgenommen. Normalerweise benötigen die Studenten zur Erhaltung ihres Masterdiploms vier Jahre Studium; darin enthalten mehrere Monate Praktika, gerne im Ausland und die Masterarbeit. Alle Studenten haben vor Beginn des Masterstudiengangs f
ür Restaurierung ein Studium im Bereich der Kunst absolviert, aber nie ein Praktikum im Bereich der Restaurierung. Während des Semesters arbeiten die Studenten daher parallel zu den Vorlesungen praktisch an vielen Objekten, auch an Tempeln vor Ort (Beipu, Chiayi und Tainan). Mindestens vier Monate Praktikum, oftmals in den Semesterferien abgeleistet, müssen die Studenten während ihres Studiums vorweisen.
In den zehn Jahren des Bestehens der Hochschulausbildung für Restauratoren haben bislang alle Absolventen anschließend eine Arbeit in dem Bereich der Restaurierung gefunden. Viele Studenten streben an, in einem Museum zu arbeiten. Auf dem freien Markt gilt es, sich gegen die arrivierten Künstlerfamilien durchzusetzen, die alles – ohne Respekt zum Original – übermalen.
Aufgrund der Kultur, des Klimas und der erdbebengefährdeten Lage wird der Restaurator mit vielfältigen Problemen konfrontiert. Es regnet während der Regenzeit öfter am Tag, innerhalb von einer halben Stunde schwankt die Temperatur zwischen 26 und 32°C, die relative Luftfeuchte zwischen 55% und 90%. Zudem ist die Tempelarchitektur üblicherweise eine Reihung von offenen und überdachten Höfen. Das beinhaltet, dass Tiere wie Kakerlaken, Geckos und Vögel die Architektur als ihren Lebensraum benutzen. Termiten zerstören zudem die gesamte Holzsubstanz, so dass einige Objekte einsturzgefährdet sind. In der Tradition war es üblich, einem dem Zerfall nahen Tempel durch eine neue Architektur zu ersetzen. Beschädigte Türen wurden oft von Mitgliedern derselben Malerfamilie, die die ursprünglichen Türen geschaffen hatten, neu übermalt.
Derzeit ist die Professur für den Bereich Gemälde und Holzskulptur vakant und wurde in letzter Zeit durch wechselnde Lehrkräfte besetzt. Nicht viele englisch sprechende Restauratoren haben sich bisher gemeldet, um dort an der Universität zu unterrichten.
Christina von Buchholtz und Ursula Fuhrer möchten die positiven Erfahrungen, die Freundlichkeit, die Hilfsbereitschaft und die vielen wundervollen Menschen vor Ort nicht missen, und pflegen bis heute noch den Kontakt. Einigen Studenten wurde es ermöglicht, in anerkannten Institutionen oder bei privaten Restauratoren in Deutschland einige Monate während des Studiums praktisch zu arbeiten, was hoffentlich auch weiterhin zu intensivem Austausch führt.
Ansprechpartner:
Prof. Tsai Fei-Wen und Prof. Lin Chun-Mei, Department of Polychrome Wooden Objects and Easel Paintings, Graduate Institute of Conservation of Cultural Relics, TNNUA, 66, Daci Village, Guantian District, Tainan City, 72045 Taiwan (R.O.C.), www.tnnua.edu.tw


