05. August 2009 / Patricia Brozio

Rekonstruktion des Berliner Schlosses

Berliner Schloss vor seiner Zerstörung

Das Berliner Schloss war bis zu seiner Bombardierung am 3. Februar 1945 und seiner anschließenden Sprengung im Jahr 1950 das Zentrum der klassischen Meile zwischen dem Pariser Platz im Westen und dem Alexanderplatz im Osten.

An seiner Stelle errichtete die DDR in den 1970er Jahren den Palast der Republik, der jedoch seit 1990 aufgrund der hochgradig gesundheitsschädlichen Asbestbelastung leer stand. Ab 1991 begann die Diskussion zur Wiedererrichtung des Berliner Schlosses, die im kommenden Jahr nun tatsächlich beginnen soll. Der Palast der Republik musste bereits weichen.

1443 gegründet und von Kurfürst Friedrich Wilhelm II (1640-1688) erbaut, war das Berliner Schloss fast so alt wie die Stadt selbst und war der Ausgangspunkt der eigentlichen Stadtentwicklung. Durch die Bombardierung des Schlosses am 3. Februar 1945 nahm das Schloss schweren Schaden und wurde fünf Jahre unter der DDR-Führung gesprengt, obwohl ein Wiederaufbau möglich gewesen wäre. So erfuhr das Schloss, ebenso wie das Potsdamer Schloss und die Potsdamer Garnisonskirche, die scheinbar willkürliche Zerstörung. Die preußische Geschichte war aus ideologischen Gründen getilgt worden.

Anstelle des Schlosses entstand von 1974 bis 1976 auf dem Terrain des ehemaligen Stadtschlosses der Palast der Republik, der zum zentralen Veranstaltungsort der DDR werden sollte. Als »Haus des Volkes«, in dem unzählige politische und kulturelle Großveranstaltungen stattfanden, wurde der Palast der Republik zum Identifikationsträger für Millionen Menschen. Doch nur für einen Zeitraum von 14 Jahren: Im September 1990 musste der Palast geschlossen werden, denn Mitarbeiter fürchteten um ihre Gesundheit, nachdem bekannt wurde, dass der Bau zum Zwecke des Feuerschutzes mit ca. 5000 Tonnen Asbest beschichtet worden war. Seither stand der Palast leer.

Wiederaufbau des Schlosses

1991 begannen Diskussionen zum Wiederaufbau des Schlosses. In einem gemeinsamen, fraktionsübergreifenden Antrag führten SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP eine Abstimmung zu den Vorschlägen der »Kommission Historische Mitte Berlin« herbei. Hierbei kamen die Fraktionen überein, dass das Berliner Schloss auf dem Grundriss und in der Stereometrie, d.h. in den äußeren Abmessungen des Berliner Schlosses wieder entstehen sollte und der Palast der Republik für dieses Vorhaben abgebrochen werden müsse.

Aus denkmalpflegerischer Sicht war dieses Vorhaben durchaus strittig. Eine Rekonstruktion nach so langer Zeit widerspricht den Prinzipien des Denkmalschutzes, dessen Ziel es ist, Denkmale zu erhalten und zu pflegen, nicht aber Nachbildungen zu schaffen, die den Betrachter glauben machen, hier handle es sich um tatsächlich historische Bausubstanz.

Auch andere Gründe, wie die vermeintliche Absage an die Architektur der Gegenwart oder die hohen Kosten für ein solches Großprojekt, sprachen gegen die Rekonstruktion. Hingegen dafür sprach, dass die Lücke des historischen Stadtgrundrisses am Platz geschlossen und somit ein wesentliches Architekturensemble der Mitte Berlins werde wiederhergestellt würde. Auch versprach ein Neubau des Schlosses die Wiederbelebung der historischen Mitte Berlins.

In einer langen Diskussion, in der Pro und Contra gegeneinander abgewogen wurden, plädierten zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Sport für das Schloss, während sich viele Architekten und Denkmalpfleger kritisch gegenüber einer Rekonstruktion äußerten.

Im November 2007 kam es schließlich zur Ausschreibung eines öffentlichen Architekturwettbewerbs, an der 150 international renommierte Architekten teilnahmen. Die eingereichten Entwürfe sollten neben der Rekonstruktion der drei Barockfassaden mit dem Schlüterhof und der historischen Kuppel ausdrücklich auch moderne Alternativen zulassen. Dies war wichtig, da eine mit dem Original exakt übereinstimmende Rekonstruktion ohnehin nicht möglich war und der Neubau eine moderne Nutzung erfahren sollte.

Entwurf des Architekten Franco Stella

Das Preisgericht entschied sich für den Entwurf des italienischen Architekten Franco Stella aus Vincenza, dessen Konzept Kulturstaatsminister Bernd Neumann entsprechend würdigte: »Der Entwurf besticht durch eine kluge architektonische Verknüpfung von Alt und Neu, von moderner Nutzung und der Rekonstruktion des ehemaligen Schlosses.«

Der Neubau mit seiner rekonstruierten historischen Fassade soll zusammen mit der in unmittelbarer Nähe liegenden Museumsinsel ein gemeinsames Nutzungskonzept erfahren. Unter dem Namen »Humboldt-Forum« wird ein Kulturzentrum entstehen, das sich in einen Weltort der europäischen und außereuropäischen Künste und Kulturen sowie der Wissenschaften verwandeln soll. »Das Humboldt-Forum ist eines der bedeutendsten kulturellen Bauvorhaben Deutschlands,« erklärte Bundesminister Wolfgang Tiefenseee, »es soll zur städtebaulichen Neugestaltung der Mitte Berlins beitragen und mit seinem kulturellen Angebot den ‚Dialog der Kunst und der Wissenschaft’ fördern.«

Das neue Nutzungskonzept wird einen Umzug der außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) von Dahlem ins neue Schloss beinhalten. Daneben werden auch die Humboldt-Universität (HU) und die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) das neue Areal nutzen.
Baubeginn soll voraussichtlich nächstes Jahr sein; für die Bauphase sind vier Jahre vorgesehen, sodass das Humboldt-Forum bereits 2014 bezugsfertig sein soll und nach Vorstellungen der Bundesregierung am 3. Oktober 2015 der Öffentlichkeit übergeben werden kann, passend zur 25. Wiederkehr des Tages der Deutschen Wiedervereinigung.

 
 
 
 
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