06. Oktober 2011 / Michaela Janke
Rekonstruktion 2.0
Eine gänzlich reversible Methode zur Vervollständigung des malerischen Gesamteindrucks von fragmentarisch erhaltenen Wandmalereien hat die Restauratorin Michaela Janke im Rahmen eines Modellprojekts entwickelt. Dabei sorgt eine für dreidimensionale Objekte geeignete Lichtbildprojektion für die virtuelle Ergänzung von Fehlstellen. An Wandmalereien in Rüdesheim kam die Methode erstmals exemplarisch zum Einsatz.
Mithilfe der Projektion war es möglich, die ursprüngliche farbige Gestaltung des räumlichen Komplexes zu simulieren. Dem Betrachter wird so ermöglicht, das ursprüngliche Erscheinungsbild der kompletten Wandmalerei zu begreifen, ohne durch eine vermeintliche Vollständigkeit des Fragments getäuscht zu werden.
Aus konservatorischer Sicht hat das Verfahren entscheidende Vorteile: Zum einen ist das aufprojizierte Lichtbild als restauratorische Zutat zu erkennen und gut vom Original zu unterscheiden. Zum anderen wird durch Ausblenden der Bildvorlage oder Abschalten der Lichtquelle der fragmentarische Zustand einer Wandmalerei in seiner Authentizität jederzeit wieder sichtbar.
Das Verfahren ist auch für den Einsatz an anderen Wandmalereien denkbar. Es lässt sich recht flexibel für kleinere Fehlstellen als auch für riesige Bereiche eines räumlichen Komplexes einsetzen.
Weitere technische Details sind nachzulesen in RESTAURO 4/2011, S.16-17. Auf Youtube findet sich zudem ein interessanter Filmbeitrag, der das Verfahren im Einsatz zeigt.


