28. Oktober 2011 / Isabella Haag
Niclaus Gerhaert. Der Bildhauer des Mittelalters
Im Winter rückt das Liebieghaus in Frankfurt einen faszinierenden Bildhauer und dessen umstrittenes Oeuvre in den Mittelpunkt: Niclaus Gerhaert von Leyden.
Diese erste monografische Ausstellung von 27. Oktober bis 4. März 2012 präsentiert rund 70, größtenteils spätgotische Bildwerke. 20 davon werden Gerhaert und seiner Werkstatt zugeschrieben.
Im Vorfeld der Ausstellung fanden umfangreiche Forschungs- und Restaurierungsarbeiten statt. Der Schwerpunkt dieser Arbeiten lag auf dem Entstehungsprozess und der farbigen Oberflächengestaltung. Die Zuschreibung einiger Werk an Gerhaert und seine Werkstatt konnte gesichert, andere jedoch mussten aus dem Oeuvre gestrichen werden. Alle Skulpturen zeichnen sich durch ihre Lebendigkeit aus und sind von höchstem handwerklichen Niveau, geprägt durch Hinterschneidungen, stark zerklüftet und jede Schnalle vom Untergrund gelöst.
So auch die Holzskulpturen am Hochaltar der Nördlinger St. Georgs-Kirche. 2010 konsolidierte ein dreiköpfiges Restauratorenteam des Liebieghauses die Figuren und befreite sie von einer millimeterdicken Staubschicht. Zum ersten Mal wurden der Hl. Georg und die Hl. Magdalena dafür aus dem Altar herausgelöst. Die Restauratoren konnten die Untersuchungsergebnisse der vorbildlichen Restaurierung der 1970er-Jahre bestätigen. Sie gewannen aber auch neue Erkenntnisse zur Holzbearbeitung und zum Bildträger. So entstanden die Figuren nicht, wie jahrelang vermutet, in Köln, sondern wurden nachweislich in einer Straßburger Werkstatt gefasst. Erstmals präsentieren sich die beiden Heiligenstatuen nun in einem Museum. Die Restauratoren berichten auf Youtube von der Konservierung des Nördlinger Hochaltars.


