17. August 2011 / Patricia Brozio

Neuerscheinung »Dokumentieren und Kalkulieren«

Hilfreiche Vorlagen für die tägliche PraxisDas Dokumentieren von restauratorischen Untersuchungen und Maßnahmen ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit eines jeden Restaurators. Leider ist die Zeit zum Schreiben oft knapp. Auch ist hierfür erfahrungsgemäß kaum Budget einkalkuliert – und so entstehen viele Dokumentationen erst lange nach Abschluss der Maßnahmen.
Ein neues System, dass die Dokumentation vereinfachen und zugleich den hohen Ansprüchen genügen soll, haben die Restauratoren Luigi Rella und Lucia Saccani Marini entwickelt. Dieses ist seit 2006 in Italien weit verbreitet und nun auch in modifizierter Weise in deutscher Sprache verfügbar. Die Besonderheiten ihrer Dokumentations- und Kalkulationsvorlagen haben uns die beiden Autoren im Gespräch erläutert.

 

Wie kam es zur Entwicklung Ihrer Dokumentationsvorlagen? Was war das Anliegen?

Luigi Rella: Wenn wir alte Restaurierungsberichte zu Rate gezogen haben, ist es uns oft so ergangen, dass manche Informationen vage oder lückenhaft waren und wir diese aufwendig überprüfen mussten. Wir suchten also nach einem allgemein brauchbaren Dokumentationssystem. Dabei stießen wir auf die Vorlagen des »Istituto del restauro« in Rom. Deren Zusammenstellung erschien uns jedoch ziemlich kompliziert. Außerdem wurden viele Informationen abgefragt, die recht bürokratisch waren. Daher überlegten wir uns auf Grundlage unserer praktischen Erfahrung im Restaurierungsalltag, wie eine wirklich brauchbare Dokumentation konkret aussehen müsste.

Welche Anforderungen sollten die Vorlagen erfüllen?

Luigi Rella: Unsere grundlegenden Ziele waren, dass die konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen wissenschaftlich und präzise dokumentiert werden können – und, dass sich die einzelnen Arbeitsschritte schon während der Ausführung einfach und schnell festhalten lassen. Auch war uns wichtig, dass man später mühelos nachschlagen kann und die Archivierung und Realisierung einer Datenbank möglich ist.

Wie haben Sie es geschafft, diesen Anforderungen gerecht zu werden?

Lucia Saccani: Wir haben die Vorlagen in drei Teile unterteilt, die den drei üblichen Arbeitsphasen gleichen, nämlich vor, während und nach der Konservierung-Restaurierung. So sind dreierlei Vorlagen entstanden, die aufeinander aufbauen: 1. Datenblätter für die Untersuchung und Konzeptfindung, 2. Datenblätter, in denen die eigentlichen Maßnahmen festgehalten werden können und 3. Datenblätter für ein anschließendes Monitoring.
Uns war das wichtig, da die Dokumentation so während der Ausführung der einzelnen Schritte möglich ist und weil sich die Restaurierung anhand der Aufzeichnungen auch besser planen lässt. Auch lassen sich Entscheidungen die im Verlauf der Arbeit getroffen werden besser ablesen. Dabei haben wir von Anfang an versucht, ein reelles Arbeitsinstrument zu gestalten, das fachlich angemessen und im selben Moment flexibel ist.

In den Vorlagen enthalten ist auch ein Datenblatt für naturwissenschaftliche Untersuchungen...

Luigi Rella: Ja, das kann man dazu nutzen, um beispielsweise Analysen bei einem Labor zu beauftragen, Probeentnahmen und Fragestellungen zu dokumentierten, aber auch, um im Anschluss an die Analyse die entsprechenden Ergebnisse in Kurzform festzuhalten. Der Bericht des Labors kann im Anhang abgeheftet werden. Auf jedem Datenblatt sind Verweismöglichkeiten auf andere schriftliche Aufzeichnungen möglich.

Daneben gibt es auch Kalkulationsvorlagen in Excel. Das ist ein Novum. Wobei helfen diese?

Lucia Saccani: Hiermit lassen sich Restaurierungskosten beziffern. In diesen Vorlagen sind die gängigsten Arbeitsschritte gelistet. Je nachdem, was wirklich zu tun ist, kann eine Preispauschale z.B. pro Quadratmeter oder Stunde definiert werden. Abhängig von der geschätzten Größe des Aufwands, errechnet die Exceltabelle dann die Kosten. Nach Wunsch kann man aus dieser Kalkulation auch einen Kostenvoranschlag generieren.
Wir mussten feststellen, dass es mithilfe dieser Kalkulation möglich ist, die Arbeiten ökonomisch zu bewerten und auch die Kosten verschiedener Restaurierungen miteinander zu vergleichen. Das hilft sehr dabei, Kosten auf Dauer richtig einzuschätzen.

Die Vorlagen wurden zuerst in italienischer Sprache veröffentlicht und dort 2000 Mal verkauft. Gibt es Rückmeldungen, wie hilfreich die Vorlagen in der Praxis sind?

Lucia Saccani: Die Dokumentationsvorlagen sind in Italien unter Restauratorenkollegen weit verbreitet. Was uns am meisten überrascht hat, ist die Tatsache, dass die Vorlagen aber auch in anderen Bereichen sehr geschätzt werden. Die Soprintendenze ziehen diese vor allem für das Festlegen von Vertragsmodalitäten und geplanten Maßnahmen zu Rate. Und die Universitäten haben unser Dokumentationssystem als Lehrbuch eingeführt.

Wurde die deutsche Übersetzung an den deutschen Markt angepasst?

Luigi Rella: Ja, es handelt sich nicht nur um eine reine Übersetzung, wir haben die Vorlagen stellenweise modifiziert. Manche Restaurierungsmethoden sind in Italien nicht deckungsgleich mit denen in Deutschland. Ebenso gibt es Unterschiede bei den typischen Schadensphänomenen, zum Beispiel ist »erhöhte Salzbelastung durch Meeresnähe« in Deutschland weniger häufiger anzutreffen als bei uns, auch wurde und wird in Deutschland seltener doubliert. Entsprechend wurden dann beispielsweise die Kästchen zum Ankreuzen neu angeordnet, anders beschriftet oder weggelassen. Auch wurden nach deutschen Maßstäben übliche Bereiche hinzugefügt, zum Beispiel im Bereich der Identifikation.
Neben den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten besteht natürlich auch die Möglichkeit, die Vorlagen an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Daher haben wir alles in gängigen Softwareprogrammen erstellt. Die Vorlagen sollten flexibel sein.

 

Die Dokumentations- und Kalkulationsvorlagen sind Ende 2010 in deutscher Sprache erschienen. Sie sind als Download beim Callwey-Verlag erhältlich.

 
 
 
 
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