02. April 2012 / Maria Siegmantel
»GOLD«
»Das Gold befeuert den Lebensgeist, kräftigt Herz und Geblüt und verleiht Größe und Stärke.« (Paracelsus, 1493–1541)
Seit jeher übte Gold eine große Faszination auf die Menschen aus. Ab dem 15. März widmet sich die Ausstellung »GOLD« in Wien dem Einsatz dieses Edelmetalls in der Kunst. Anhand von rund 200 Werken führt die umfassende Schau in den Räumen des Unteren Belvedere, der Orangerie und des Prunkstalls die verschiedenen künstlerischen Einsatzmöglichkeiten des glänzenden Metalls vor Augen. Zu sehen sind bekannte Beispiele und zahlreiche Neuentdeckungen, darunter Arbeiten von Georg Baselitz, Yves Klein, Gerhard Richter, Giandomenico Tiepolo und Andy Warhol.
Abbildung oben: Jan Fabre: golden human brain with angel wings, 2011
Silikonbronze, 24 Karat Gold, 22 x 30,5 x 26 cm
Courtesy Mario Mauroner Contemporary Art Gallery, Wien
Foto/ © Pat Verbruggen/Angelos bvba, Jan Fabre; VBK, Wien 2012
Der erste Teil der Ausstellung im Unteren Belvedere veranschaulicht die historische Verwendung des Goldgrundes in beispielhaften Exponaten. Auch im »Schatzhaus Mittelalter« im Prunkstall wird der Einsatz von Gold ab dem 14. Jahrhundert eindrucksvoll vor Augen geführt. Der zweite Teil präsentiert die Bandbreite des zeitgenössischen Einsatzes von Gold anhand von Themenschwerpunkten: Rahmen, Landschaft, Stillleben und sakrale Formen. Die Orangerie zeigt das reiche Spektrum der goldbestückten Kunst der Moderne und der Gegenwart anhand einer Gegenüberstellung von Werkgruppen zu den Themen Schrift, Figuration und Abstraktion.
Abbildung: Ausstellungsansicht GOLD, 2012
Foto/© Eva Würdinger/Belvedere, Wien
In der Kunstproduktion wurde Gold besonders im Mittelalter häufig verwendet, danach verschwand es für Jahrhunderte fast vollständig aus der bildenden Kunst. Mit der beginnenden Renaissance und dem sich wandelnden Fokus auf den Menschen und die Natur wurde zum Beispiel der Goldgrund für Jahrhunderte aus der Malerei verbannt. Erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begannen viele Künstler wieder mit Gold arbeiten. Dazu Ausstellungskurator Thomas Zaunschirm: »Bis vor wenigen Jahren war praktisch unbekannt, dass in der Gegenwart mehr Künstler mit dem Edelmetall arbeiten als in den Jahrhunderten nach dem Mittelalter.«
Abbildung: Milan Kunc: Vitamin Attack, 2005
Öl und Blattgold auf Leinwand,130 x 150 cm, Besitz des Künstlers
Foto/© Martin Polak, Galerie Caesar archive, Olomouc, Czech Republic/Milan Kunc
Gold wird dem Ausstellungsbesucher auch auf anderen Ebenen nahegebracht. Je nach Material und nach den sich im Lauf der Geschichte entwickelnden technischen Möglichkeiten kamen in der Kunst unterschiedliche Vergoldungsweisen zum Einsatz. Seit der Antike wird beispielsweise die Feuervergoldung zur Veredelung von Metalloberflächen eingesetzt. Die Verwendung von Goldfäden in Textilien erfuhr erst im Mittelalter einen Aufschwung. Poliment- und Ölvergoldung werden nach historischen Methoden bis heute auf Holz- und Steinoberflächen durchgeführt. Den Techniken, ihrer Geschichte und ihren Einsatzgebieten widmet sich ein vom Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien gestalteter Raum der Ausstellung. Die Konservierungswissenschaften als technologische Schnittstelle zwischen kulturhistorischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen ermöglichen einen besonders spannenden Zugang zu den unterschiedlichen Verwendungsarten des kostbaren Materials Gold, die im Rahmen der Ausstellung anschaulich erklärt werden.
Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Juni im Unteren Belvedere, der Orangerie und im Prunkstall zu sehen.


