03. Oktober 2011 / Lars Klemm

Energieeffiziente Lösungen für Depot- und Archivbauten

Voller Veranstaltungssaal

Die Suche nach effektiven, nachhaltigen und vor allem ökonomisch tragbaren Depotlösungen, jenseits der Prestigeprojekte in der Museumswelt, hat aus Sicht der Risikominimierung und der präventiven Konservierung allerhöchste Aktualität. Die Bedeutung von reinen Zweckbauten mit hoher Energieeffizienz und damit geringen Investitions- und Unterhaltskosten wird in Zeiten energiepolitischer und klimatischer Änderungen weiter steigen. Diesem Anlass folgend, wurden auf der internationalen Fachtagung »Das modulare Nullenergiedepot – neue Wege für Depot- und Archivbauten« des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP im Kloster Benediktbeuern neue Lösungsansätze vorgestellt und diskutiert.

Über die Inhalte dieser Tagung berichtet an dieser Stelle Lars Klemm vom Fraunhofer IBP.

Ein wesentlicher Teil der Sammlungen deutscher Museen, Bibliotheken und Archiven lagert in Depots und Magazinen. Die Planung, Bewirtschaftung, Klimatisierung und Gesamtbilanzierung dieser nicht ausgestellten Sammlungsbereiche stellt die Verantwortlichen vor eine große Herausforderung und die Wissenschaft vor enormes Forschungspotential. Anhand von aktuellen Beispielen aus Dänemark, Deutschland, Österreich, Schweden und der Schweiz wurden auf der Tagung Lösungsmöglichkeiten für wirtschaftliche, energieeffiziente und kostengünstige Depot- und Archivbauten thematisiert, welche die Erfüllung der konservatorischen Anforderungen für Depot- und Archivbauten mit einfachen baulichen und technischen Lösungen ermöglichen.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes am Fraunhofer IBP wurde eine Studie zur Realisierung eines Plus-Energiedepot- und Archivgebäudes für Kunst- und Kulturgut erarbeitet. Diese Studie beinhaltet eine Auflistung und Vorprüfung von verfügbaren Fertigbauelementen, eine rechnerische Bewertung und Optimierung der Depotmodulkomponenten, ein Konzept für die Anlagentechnik und eine Maßnahmenbeschreibung zur Steigerung der Energieeffizienz. Ziel der Kooperation mit der Industrie ist die Vorbereitung einer institutsgetriebenen Vermarktung von modularen Depot- und Archivgebäuden in Deutschland und Europa.

Mitarbeiter des Fraunhofer IBP sowie des Instituts für Bauphysikalische Qualitätssicherung Weimar stellten dieses modulare Konzept im Rahmen der Tagung vor. Für die Entwicklung der Depot- und Archivmodule wurden unterschiedliche Dämmniveaus, Dämmkonstruktionen, Anlagenkomponenten und Lagertechniksystemen einander gegenüber gestellt und kostenmäßig bewertet. Ebenfalls wurden die unterschiedlichen Nutzungsprofile von Museen und Archiven erfasst, um kundenoptimierte und wirtschaftliche Modulklassen für Lagerung und Funktion zu generieren. Dazu zählen Module für Anlieferung, Technik, Werkstatt und Büro, Archivgut, Gemälde, Möbel- und Kunsthandwerk, Grafik und Fotografie sowie für Technisches Kulturgut. Für alle Module sind die vorfabrizierten Fertigbauelemente, Lieferzeiten der Lagertechnik, Errichtungskosten und notwendige Energieversorgung ausgearbeitet. Diese Fertigbauelemente erlauben eine modulare Errichtung eines Depot- und Archivgebäudes in Skelettbauweise, das serienreif, flexibel und erweiterbar ist. Die Umsetzung ist mit einfach zu beschaffenden Materialien und zu einer gleich bleibenden Qualität möglich. Die verwendete Anlagentechnik ist robust, wartungsarm und niedrig im Verbrauch. Das gesamte Bauvorhaben kann, dank der integrierten Vorplanung und der um 50 Prozent schnelleren BaEine Möglichkeit von vielenuweise, gegenüber konventionellen Bauten sehr wirtschaftlich erfolgen.
Insgesamt könnten mit der Studie dargestellt werden, dass sowohl für Archive als auch für Museumsdepots energieneutrale Bilanz und niedrige Gestehungskosten machbar sind.

Darüber hinaus wurden auf der Veranstaltung, die das Europäische Kompetenzzentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege des Fraunhofer IBP in Zusammenarbeit mit dem Büro für Präventive Konservierung und Depotplanung k3-artservices und dem Projektentwickler Ottmann GmbH & Co Südhausbau KG organisiert hatten, Neubauten, umgebaute Bestandsgebäude oder neu genutzte Baudenkmäler vorgestellt. Markus Leuthard, Leiter des Sammlungszentrums des Schweizer Nationalmuseums Affoltern a. Albis und Dr. Volker Jäger vom Sächsischen Staatsarchiv gaben spannende Einblicke in seine Erfahrung mit verschiedenen Bauvorhaben. Dr. Joachim Huber von der prevart GmbH forderte in seinem herausragenden Vortrag rund um den »Horizont 100« einen Paradigmenwechsel im Sammeln und Bewahren. Darüber hinaus zeigte Dr. Poul Klenz Larsen von der Gotland University Visby einfache low-tech Varianten für Depotbauten aus Skandinavien. Ferner wurde das modulare Konzept im Detail durch Dr. Martin Krus und  Annika Buddenbäumer präsentiert. Idee, Umsetzungsmöglichkeiten und das Energiekonzept eines solchen modularen Nullenergiedepots sind durch die Vorträge von Michael Zink, Kai Morgenstern, Lars Klemm und Volker Huckemann erläutert worden. Fördermöglichkeiten im Rahmen des Programms Energieoptimiertes Bauen wurden durch Mira Heinze von der PTJ vorgestellt. Aspekte zu kommunalen Finanzierungen, dargestellt durch Kordt Schlieper von der Bayerischen Landesbank, rundeten die Tagung ab.

 
 
 
 
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