24. Oktober 2011 / Patricia Brozio

SolarGlasKunst am Kirchendach

Solarzellen auf dem Kirchendach? Das ist eine viel diskutierte Angelegenheit. Ganz neue Denkansätze dürfte nun ein Kirchendach im Nordschwarzwald liefern. Hier entstand erstmals ein Solar-Glaskunstwerk, das die starre Oberfläche von Photovoltaik-Anlagen in bewegte Formen umwandelt.

Die Kirchengemeinde im Örtchen Mühlen hegte schon lange den Wunsch mittels Photovoltaik-Technologie regenerative Energien zu nutzen und damit »die Verantwortung der Schöpfung gegenüber zu dokumentieren«. Jedoch hatte eine herkömmliche Solaranlage keine Aussicht auf Genehmigung. Zu massiv wären die optischen Beeinträchtigungen für das Ortsbild gewesen.

So entstand schließlich die Idee, Kunst aufs Dach zu bringen. Den entscheidenden Gedankenanstoß brachte der Künstlers Raphael Seitz, der eine Kunstinstallation entwickelte, die nicht nur ästhetisch hervorsticht, sondern darüber hinaus auch zum Umweltschutz und zur Entwicklungshilfe beiträgt.

Ganz nach der Tradition farbiger Kirchenfenster setze der Heilbronner Künstler ein 75 qm großes Kunstwerk auf mundgeblasenem Glas um, das gleichzeitig umweltfreundlichen Strom erzeugt. Damit werden wirtschaftliche Nutzung und künstlerische Darstellung erstmals miteinander verbunden.

Dennoch ist die Installation nicht auf Profit ausgelegt. 75.000 Euro investierte die Kirchengemeinde, die Hälfte davon für die Photovoltaikanlage, die sich über die Einspeisevergütung refinanziert. Die andere Hälfte entfällt auf die Glaskunst und die Förderung eines Partner-Projektes in Ghana. Dort wurden zwei Krankenstationen mit Solar-Lichtboxen zur Beleuchtung von Operationsräumen ausgestattet. So erzeugt das Kunstwerk Solarstrom im Schwarzwald und gleichzeitig in Afrika. Auch die künftigen Gewinne aus der Stromerzeugung des Kirchendachs sollen Projekte in der Dritten Welt unterstützen.

Der Künstler selbst bezeichnet sein Werk als »Licht der Welt«. Sattfarbene Opakgläser wechseln sich mit verspiegelten Gläsern ab. Je nach Lichteinfall verändern sich die Farben der verschiedenen Glasarten, treten wechselweise in den Vordergrund und verändern so die Optik. Starre löst sich in scheinbarer Bewegung auf. »Die brillanten Farbgläser leuchten wie ein Augenzwinkern zwischen den Reflexionen des Himmels«, freut sich Raphael Seitz, der bereits an einem Folgeprojekt arbeitet. Man darf gespannt sein.

 
 
 
 
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