12. Juni 2012 / Maria Siegmantel
Der Archimedes-Code. Auf den Spuren eines Genies
Archimedes ist ein Name, der uns allen wahrscheinlich irgendwann schon einmal über den Weg gelaufen ist, irgendetwas hatte er mit Mathematik zu tun. Archimedes war aber nicht irgendein Mathematiker, sondern der wohl bedeutendste der Antike. Außerdem war der Grieche auch noch Physiker, Ingenieur und Erfinder – kurz gesagt: ein Genie. Sein Einfluss reicht weit bis über die Antike hinaus: Die Arbeit eines Leonardo Da Vinci, eines Galileo Galilei oder eines Isaac Newton wäre ohne ihn nicht denkbar.
©The Archimedes Palimpsest Project/Eigentümer des Palimpsestes
Seit dem 04. Juni erzählt die Ausstellung »Der Archimedes-Code. Auf den Spuren eines Genies« die Geschichte eines ganz besonderen Schriftstückes, das uns einige Werke des Mathematikers überliefert: das sogenannte »Archimedes-Palimpsest« (s. Abb. oben).
Vor mittlerweile 14 Jahren tauchte dieses Buch in New York bei einer Auktion auf. Auf den ersten Blick ein Gebetbuch aus dem 13. Jahrhundert, hütete es jedoch ein Geheimnis: Unter den sichtbaren Zeilen verbargen sich, teils erkennbar, teils verdeckt, ältere Schrift und geometrische Zeichnungen. Der Mönch, der im 13. Jahrhundert das Gebetbuch anfertigte, hatte das Pergament eines älteren Buches wiederverwendet – einen Archimedes-Kodex aus dem 10. Jahrhundert.
Pergament war im Mittelalter ein kostbares Material. Deshalb wurden Schriften, die für unwichtig gehalten wurden, »recycelt«: Die Tinte des ursprünglichen Textes wurde abgeschabt, das Pergament geglättet und erneut beschriftet.
Das Buch musste Seite für Seite auseinandergenommen werden, um die fotografische Texterfassung für die wissenschaftliche Bearbeitung zu ermöglichen. Außerdem konnten nur so die Originalzeilen im Falzbereich jedes Doppelblattes gelesen werden.
© The Archimedes Palimpsest Project/Eigentümer des Palimpsestes
Bis die bis dahin unbekannten Archimedes-Texte entziffert werden konnten, vergingen noch insgesamt zehn Jahre. Nicht nur das Abschaben und Überschreiben erschwerten das Lesen. Neben Schimmel- und Bakterienbefall war das Buch auch durch Kerzenwachs verunreinigt und mehrfach repariert und verklebt worden.
Die sogenannte Pseudo-Farben-Technik nutzt den starken Eisengehalt der Tinte, die ultraviolettes Licht absorbiert. Die digitale Bildbearbeitungstechnik erlaubt dadurch eine deutlich getrennte Farbgebung der Schriftebenen. Auch hier wird die Zeichnung der Spirale des Archimedes gut sichtbar.
© The Archimedes Palimpsest Project/Eigentümer des Palimpsestes
Einem Forscherteam am Walters Art Museum (Baltimore, USA) gelang es, den Verfall des Buches zu stoppen und die Archimedes-Texte zu entziffern. Dazu nutzen sie verschiedene bildgebende Verfahren und die digitale Bildbearbeitung – beispielsweise UV- oder IR-Strahlung, die Röntgenfluoreszenzanalyse und die sog. Pseudo-Farben-Technik.
Die Lesbarkeit im Vergleich: Oben der Falzbereich eines Doppelblattes in Normallicht mit nur schwach erkennbaren Zeilen des Archimedes-Textes. Unten zeigen sich die Textzeilen in Pseudo-Farben-Technik in einer gut lesbaren, roten Farbe.
© The Archimedes Palimpsest Project/Eigentümer des Palimpsestes
Drei Seiten des Archimedes-Palimpsests sind nun öffentlich zu sehen. Eine Ausstellung im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum zeigt vom 4. Juni bis 9. September 2012 die Restaurierung, Erforschung und Entzifferung des Schriftstückes: »Der Archimedes-Code. Auf den Spuren eines Genies«.


