06. Oktober 2011 / Patricia Brozio
Backsteine im Schlafrock?
Hamburg darf sich dieses Jahr Grüne Hauptstadt Europas nennen. Grund hierfür sind vor allem die ehrgeizigen CO2-Reduktionsziele, die auch Einfluss auf das Wirken des Denkmalschutzes haben werden: Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen um 40% und bis 2050 sogar um 80% reduziert werden.
Gerade für die Bewahrung der regionaltypischen Backsteinfassaden sind
diese Klimaschutzziele eine besondere Herausforderung. Ob Speicherstadt oder Chilehaus, ob Siedlungsbauten der 1920er- und 30er-Jahre oder Nachkriegsbauten: Backstein ist in weiten Teilen der Stadt bestimmendes Fassadenmaterial. Doch wie lassen sich solche Fassaden denkmalgerecht sanieren? Dieser Frage geht das Denkmalschutzamt Hamburg derzeit nach.Damit diese das Stadtbild prägenden Fassaden nicht hinter genormten Dämmplatten verschwinden, hat das Denkmalschutzamt ein transnationales Projekt mit dem Titel CO2OL Bricks initiiert.
Dabei sollen die unterschiedlichen Anforderungen des Klimaschutzes und des Denkmalschutzes miteinander in Einklang gebracht werden und konkrete Methoden zur energetischen Sanierung gefunden werden. Beteiligt an dem Projekt ist nicht nur die Hansestadt. 17 weitere Projektpartner aus nahezu allen Ostseeanrainerstaaten sind ebenso vertreten. Diese sollen sich mit ihren Erfahrungen gegenseitig befruchten. Einige Erkenntnisse kann Hamburg bereits vorzeigen.
Erfahrungsgemäß stellt an den Backsteinbauten der Hansestadt eindringendes Wasser eines der Hauptprobleme dar. Dabei ist festzustellen, dass die Schwachstelle oft nicht die Backsteine selbst sind. Vielmehr kann Schlagregen und Feuchtigkeit durch ungeeignete Fugenmörtel in die Gebäudehülle eindringen und Schäden verursachen. Wichtiges Anliegen des Denkmalschutzamtes ist daher die Erprobung geeigneter Fugenmörtelmaterialien, wie sie derzeit in der Jarrestadt erfolgt. Aber auch für Fälle, in denen eine Außendämmung unumgänglich ist, versuchen die Denkmalpfleger derzeit die vorhandenen Methoden zu optimieren. Hierbei werden vor allem verschiedene Varianten von Wärmeverbundsystemen in Klinkerimitat-Optik diskutiert und an ausgewählten Siedlungsbauten erprobt.Die abschließenden Ergebnisse dürften spannend sein, für alle Denkmalpfleger, -eigentümer, aber auch alle anderen, die den Reiz der Backsteinoberflächen zu schätzen wissen. Sollte ein Backsteingebäude einen Schlafrock tragen – und wenn ja, welchen?
Ein Tipp zum Schluß: Die Freie und Hansestadt Hamburg hat dieses Jahr eine »Handlungsempfehlung zur Erhaltung der Backsteinstadt Hamburg« herausgegeben. Diese steht zum Download bereit.


