22. Dezember 2011 / Alexandra Jeberien und Marianne Landvoigt

»Adel verpflichtet« - Rückblick auf ein Symposium

Am 25. & 26. November 2011 fand an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, am Studiengang Konservierung und Restaurierung / Grabungstechnik, das Symposium »ADEL VERPFLICHTET – Ergebnisse zur Ausgrabung und Restaurierung der Barocksärge vom Schlossplatz Berlin-Mitte« statt. Als Schirmherr konnte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit gewonnen werden.


Die Veranstaltung stellte den Abschluss des dreijährigen Kooperationsprojektes zwischen dem Landesdenkmalamt Berlin, dem Museum für Vor- und Frühgeschichte der SMB sowie der Hochschule dar. Anlass zur Forschung gaben die im Frühjahr 2009 im Blockverfahren geborgenen und an den Studiengang Konservierung und Restaurierung / Grabungstechnik der HTW Berlin verbrachten drei Kindersärge aus Holz sowie der große Blei-Zinn Sarkophag des Konrad von Burgsdorff. Die Funde waren in den Jahren 2009-2011 von den Studierenden umfangreich dokumentiert und untersucht, konserviert und restauriert worden. Das Symposium bot die Möglichkeit, sowohl die während der Projektzeit und an den Fragestellungen der Objekte erarbeiteten konservierungswissenschaftlichen Bachelor- und Masterarbeiten vorzustellen, als auch die übergreifenden Forschungen zum archäologischen Kontext und zur Kulturgeschichte der barocken Särge zu diskutieren.

Foto: Zwischenzustand des aus der Blockbergung freigelegten Holz-Leder Sargs der Charlotte Luise von Canitz, Berlin 2010 (Brit Göring, Marianne Landvoigt)

Die komplexen Fragestellungen, die sich zu den diversen Materialien der Särge ergaben, stießen auf breites Interesse, so dass sich im großen Hörsaal der HTW Berlin über 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland einfanden. Das Auditorium setzte sich aus Restauratorinnen und Restauratoren der Museen und Denkmalämter zusammen, beinhaltete aber auch Kulturwissenschaftler und interessierte Berliner Bürgerinnen und Bürger.

Zum Auftakt des Symposiums wurden Einführungsreferate durch Prof. Dr. Matthias Knaut, Vizepräsident für Forschung der HTW Berlin (Projektkontext), Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Landesarchäologe und Leiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin (Einbettung in die Berliner Stadtarchäologie) und durch Michael Malliaris, Ausgrabungsleiter Schlossplatz Berlin (Übersicht zu Grabungsinhalten und zur barocken Gruft) gehalten. Ein weiterer Vortrag zur Bergung des voluminösen und schweren Blei-Zinn Sarkophag Konrad von Burgsdorffs mittels Blockverfahren und Cyclododekansicherung, gehalten von Dipl.-Rest. Jörg Breitenfeldt MA, Leiter der Restaurierungswerkstatt Restaurierung am Oberbaum, ergänzte die Darstellung des Ausgangspunktes zum Projekt und zu den Forschungen.

 

Der erste, konservierungswissenschaftliche Themenkomplex befasste sich mit der Freilegung, Entnahme und Sicherung der Blockbergungen und ihrer Bestandteile: Hierbei stellten die Studierenden des Masterstudienganges Konservierung und Restaurierung vor allem die Ergebnisse rund um die Dokumentation und Freilegung des Blei-Zinn Sarkophags Konrad von Burgsdorffs dar und erläuterten ihre Forschungen, die zur Bergung und Konservierung der sehr stark abgebauten Holz-Leder Fragmente der Kindersärge (Charlotte Luise und Hedwig von Canitz) führten. Auch wurden mögliche Rekonstruktionsansätze vorgestellt, so dass dem Publikum ein Bild der barocken Sarggestaltung verdeutlicht werden konnte. Im Anschluss stellten Studierende der Geo- und Feldarchäologie die Entwicklung von Low-Cost 3D Laserscannern zur Dokumentation archäologischer Funde vor. Der Nachmittag wurde abgerundet durch eine Präsentation zur PEG Konservierung der Holz-Leder Fragmente sowie zur Bearbeitung fragiler Textilreste. Letztere waren als Bekleidung der Verstorbenen oder als Teil der Sarginnenausstattung in die Gruft gelangt.

Der erste Veranstaltungstag endete mit einem üppigen Kaffee- und Kuchenbuffet, bei dem sich die Veranstaltungsteilnehmer und -organisatoren in regen Diskussionen über die Thematik der Särge aber auch weitere aktuelle Projekte austauschen konnten.

Am zweiten Veranstaltungstag dominierten die Beiträge zum kulturgeschichtlichen Themenkomplex. Dazu passend gab Andreas Ströbl, Archäologe und Kunsthistoriker, eine detaillierte Übersicht zum vielfältigen Dekor der Sarggestaltung. Dieser Vortrag wurde durch die Präsentation des Historikers Daniel Krebs ergänzt, der seine Ergebnisse der Archivalienforschung zu den in der Gruft bestatteten Personen darlegte. Abschließend gab Michael Malliaris einen Ausblick zu der am 12. Januar 2012 im Neuen Museum Berlin geplanten Sonderausstellung Von den letzten Dingen- Tod und Begräbnis in der Mark Brandenburg 1500-1800 , die einige zentrale Fragmente und Bestandteile der Kindersärge sowie den Blei-Zinn Sarkophag Konrad von Burgsdorffs präsentieren wird. Malliaris schloss den Vortragsteil des Symposiums – sehr stimmungsvoll – mit einem Sonett von Andreas Gryphius ab.

Nach einer kurzen Mittagspause konnten abschließend die Werkstätten und Labore des Studiengangs, inklusive der zuvor dargestellten Objekte und Fragmente gezeigt und besichtigt werden.  Rückblickend äußerten sowohl die Teilnehmer als auch das Veranstaltungsteam große Zufriedenheit über den Verlauf des Symposiums. Die anspruchsvollen Diskussionen innerhalb der Themenkomplexe und in den Veranstaltungspausen sorgten für eine anregende Atmosphäre und schufen die Möglichkeit, aktuelle und zukünftige Projekte zu diskutieren. Die Veröffentlichung eines Forschungsbands mit den Ergebnissen ist für Februar 2012 geplant.

Fotos/copyright: Alexander Gatzsche
 
 
 
 
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